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Ist das Fremdgehen Alltag geworden?

Die Winterzeit hat gerade begonnen, als ich mit einem Bekannten im Münchner Restaurant H´ugo´s zum Abendessen verabredet war. Es gab Trüffel-Pizza und eine gute Flasche Weißwein und wir unterhielten uns über den Job und geschäftliche Aktivitäten wie über das Thema Ehefrau und Geliebte.

Dabei fand ich im Gespräch heraus, dass mein Bekannter neben seiner Ehefrau, bei seinen regelmäßigen Geschäftsreisen in den Großstädten dieser Welt, in jeder City eine Geliebte zu haben scheint, die Ihn jeweils zu wichtigen Geschäftsessen oder abendlichen Veranstaltungen begleiten. Der Sex danach ist natürlich inklusive. Kurz verschluckte ich mich als ich an meinem Wein nippte und fragte mich, sind wir Männer nicht mehr monogam und süchtig danach, dauerhaft in jeder City mit einer Anderen ins Bett zu gehen? Oder steckt da gar mehr dahinter?

Eigentlich kenne ich meinen Bekannten als treuen und verliebten Ehemann, der alles für seine Frau tut. Zumindest war er dies bis zu jenem Tag als er heraus fand, dass sie ihn mit dem Fahrlehrer der gemeinsamen Tochter betrogen hatte. Ab diesem Moment veränderte sich alles. Trennung und Scheidung kam nicht in Frage, viel zu viel Geld wurde in das gemeinsame Haus und die Inneneinrichtung investiert. Also beschlossen beide, einen neuen “Ehefahrplan” zu führen, nur mit anderen Spielregeln – die offene Monogamie. Ich frage mich: fangen wir Menschen an das gleiche Spiel zu spielen, nur größer und mit weiteren Umfang, wenn wir betrogen werden? Sind wir danach so verletzt, dass wir dem anderen den gleichen Schmerz hinzufügen müssen, oder öffnen wir uns in der Partnerschaft auf eine ganz andere Art und Weise, die Monogamie neu zu beschreiben? Wird es Alltag in der zukünftigen Beziehung oder Ehe sein, dass es neben des Partners, eine Geliebte oder ein Geliebter normal sein wird? Oder ist es schon so, dass das oberste Gesetzt einiger homosexuellen Beziehungen „Sex mit anderen ist erlaubt, solange keine Gefühle entstehen“ nun auch fester Bestandteil der heterosexuellen Beziehung ist?

Als ich mich am nächsten Tag mit meinem besten Kumpel über das Gespräch des Vorabends unterhielt, offenbarte er mir, was er mir bis Dato nie erzählte. Nämlich, dass seine Ex-Freundin regelmäßig Affären hatte und er sich schließlich von ihr trennte ohne selbst in Erwägung zu ziehen gleiches mit gleichem zu vergelten und ebenfalls fremd zu gehen. Es geht also doch auch noch immer anders. Somit stellt sich also die Frage, wieso gehen wir überhaupt fremd? Wie nach dem Urknall, hallte der Satz „Als sie mich betrogen hat“ in meinen Gedanken nach. Ist es nicht so, dass die Gesellschaft und das Klischee davon spricht, wir Männer würden schnell dazu neigen unsere Frauen zu betrügen? Oder ist es im Endeffekt gar so, dass wir es nur dann tun, wenn wir betrogen werden? Hat sich das Klischee etwa geändert und keiner spricht davon? Oder ist das Fremdgehen eine gesellschaftliche Gewohnheit im allgemeinen geworden? Fragen über Fragen. Nach zahlreichen Recherchen, Umfragen und laut einer Studie fand ich zwar heraus, dass etwa zwanzig Prozent der Frauen fremdgehen, aber Männer auch nicht ganz unschuldig sind und mit nur fünf Prozent darunter liegen.

Ich bin der Ansicht, durch die Möglichkeit der modernen Zeit und dem installieren von Dating-Portalen in Form von lustigen bunten App´s auf dem Smartphone, kommen wir Menschen viel zu schnell in die Versuchung, sich auf ein Gastspiel einzulassen und vergessen für jenen Moment der Befriedigung, dass wir eigentlich jemanden an unsere Seite haben. Anders frage ich mich, wie viel Befriedigung braucht der Einzelne? Nun gut, wenn wir Anfangen, den anderen zu betrügen, sollten wir – egal ob Männlein oder Weiblein – in uns selbst und in unsere Beziehung hineinblicken um darüber nachdenken, ob dies wirklich Zukunft hat oder wir lernen damit umzugehen, einen neuen Weg der Monogamie zu gehen und diesen zu verstehen.

Euer Kolumnist Tom

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